Der Begriff Muskelriss in der Schulter bezeichnet das Ablösen der Schultermuskeln von der Stelle, an der sie am Knochen ansetzen, infolge von Überlastung oder Verletzung im Schulterbereich. Das Schultergelenk ist im Vergleich zu den anderen Gelenken des Körpers mit mehr Muskelfasern verbunden. Diese den Knochen umgebenden Muskeln werden als Rotatorenmanschette bezeichnet.
Besonders der Muskel mit dem Namen Supraspinatus wird infolge von Überlastung häufiger verletzt als die anderen Muskeln. Muskelrisse können von leichten Faserverletzungen bis hin zu vollständigen Sehnenabrissen reichen. Solche Verletzungen treten in der Regel bei Sportlern mit Überkopfbewegungen (Volleyball, Wurfsportarten), bei Arbeitern, bei Hausfrauen und bei älteren Menschen auf und führen zu Problemen wie Schwäche, Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit der Schulter.
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Was sind die Symptome eines Muskelrisses in der Schulter?
Bei einem Riss in den Schultermuskeln treten verschiedene Symptome auf. Die Symptome können je nach Schweregrad des Risses (leichter, teilweiser oder vollständiger Riss) und je nachdem, welcher Muskel betroffen ist, variieren. Die häufigsten Symptome sind:
1. Schmerzen
- Besonders beim Anheben des Arms nach oben oder beim Zurückführen werden stechende oder tiefe Schmerzen beschrieben.
- Bei Rissen in der Rotatorenmanschette sind nächtliche Schmerzen während des Schlafs deutlich ausgeprägt. Besonders wenn man sich im Liegen auf die betroffene Schulter legt, verstärken sich die Schmerzen.
2. Kraftverlust
- Beim Anheben, Drehen oder Tragen von Lasten mit dem Arm zeigt sich eine Schwäche.
- Bei alltäglichen Tätigkeiten (wie Haarekämmen oder Anziehen einer Jacke) treten Schwierigkeiten auf.
3. Bewegungseinschränkung
- Der volle Bewegungsumfang der Schulter geht verloren.
- Besonders beim Anheben des Arms nach oben oder beim seitlichen Abspreizen ist eine Einschränkung spürbar.
4. Geräuschbildung (Krepitation)
- Während der Schulterbewegungen können knackende, reibende oder klickende Geräusche hörbar sein.
5. Schwellung und Druckempfindlichkeit
- Im Schultergelenk kann eine leichte Schwellung auftreten.
- Bei Berührung können Schmerzen und eine brennende Empfindlichkeit entstehen.
6. Veränderung der Ruhehaltung des Arms
- Um Schmerzen zu vermeiden, wird der Arm außerhalb seiner natürlichen Haltung getragen oder nah am Körper gehalten.
7. Blaue Flecken (selten)
- Wenn der Riss auf eine traumatische Verletzung zurückzuführen ist, können im Bereich der Schulter blaue Flecken auftreten.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
- Wenn die Schulterschmerzen innerhalb weniger Tage nicht nachlassen und ihre Intensität immer weiter zunimmt,
- wenn die Schulterbewegungen eingeschränkt sind,
- wenn der Kraftverlust den Alltag beeinträchtigt,
- wenn die Beschwerden nach einer plötzlichen und schweren Verletzung der Schulter begonnen haben, sollte unbedingt ein Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation oder ein Orthopäde aufgesucht werden.
Wie wird ein Muskelriss in der Schulter diagnostiziert?
Die Diagnose eines Muskelrisses in der Schulter wird durch die gemeinsame Beurteilung der Beschwerden des Patienten, der Befunde der körperlichen Untersuchung und der bildgebenden Verfahren gestellt. Der Diagnoseprozess verläuft folgendermaßen:
1. Ausführliche Krankengeschichte (Anamnese)
Der Arzt hört sich zunächst die Beschwerden und die Vorgeschichte des Patienten an:
- wann und wie die Schmerzen begonnen haben,
- die Intensität der Schmerzen und ihre Veränderung bei Bewegung,
- frühere Schläge oder Belastungen der Schulter,
- frühere Schulterverletzungen oder chirurgische Eingriffe werden erfasst.
2. Körperliche Untersuchung
Der Arzt beurteilt die Funktionen der Schulter:
- Bewegungstests: Der aktive (vom Patienten selbst ausgeführte) und der passive (vom Arzt ausgeführte) Bewegungsumfang der Schulter wird gemessen und dokumentiert.
- Krafttests: Die Kraft der Schultermuskeln wird getestet.
- Häufig verwendete spezielle Tests: Empty-Can-Test: Mit dem Test des seitlichen Anhebens des Arms wird der Supraspinatus-Muskel beurteilt.
- Drop-Arm-Test: Beim langsamen Absenken des Arms wird geprüft, ob ein Kontrollverlust auftritt.
- Hawkins-Kennedy-Test: Es wird auf eine Einklemmung der Schulter und das Vorliegen von Schmerzen geachtet.
3. Bildgebende Verfahren
Nach der körperlichen Untersuchung werden bildgebende Verfahren eingesetzt, um das genaue Ausmaß und die Lage des Muskelrisses zu bestimmen:
a. Magnetresonanztomographie (MRT)
- Es ist das Verfahren, das die Muskeln, Sehnen und anderen Weichteile in der Schulter am deutlichsten darstellt.
- Der Grad des Muskelrisses (teilweiser oder vollständiger Riss) und die umliegenden Schäden (Ödem, Entzündung) werden detailliert beobachtet.
b. Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
- Es kann eine bewegte (dynamische) Untersuchung durchgeführt werden.
- Risse in den Sehnen und Muskeln, Ödeme oder Verkalkungen werden untersucht.
c. Röntgen (X-ray)
- Die Knochenstrukturen werden beurteilt.
- Es zeigt den Muskelriss nicht direkt, kann aber vom Facharzt angeordnet werden, um Knochenvorsprünge, Verkalkungen oder Anomalien im Schultergelenkspalt erkennen zu können.
4. Bei Bedarf weitere Untersuchungen
- In manchen komplexen Fällen können weiterführende Untersuchungen wie eine Arthrographie (MRT-Aufnahme nach Gabe eines Kontrastmittels in die Schulter) durchgeführt werden.
Was hilft bei einem Muskelriss in der Schulter?
Bei der Behandlung eines Muskelrisses in der Schulter ist das Ziel, die Schmerzen und die Entzündung zu verringern, die Heilung zu unterstützen und die Funktionen der Schulter wiederherzustellen. Die Behandlungsmethode richtet sich nach der Größe, der Art und der Lage des Risses sowie nach dem Alter und dem Aktivitätsniveau des Patienten.
1. Ruhe und Anpassung der Aktivitäten
- Es wird darüber aufgeklärt, wie die Schulter geschont werden sollte, indem im Alltag schmerzverstärkendes schweres Heben, belastende Bewegungen und wiederholende Schulteraktivitäten vermieden werden.
- Auch wenn Ruhe wichtig ist, kann eine vollständige Ruhigstellung der Schulter das Risiko einer Schultersteife (adhäsive Kapsulitis) erhöhen. Deshalb werden kontrollierte Bewegungen empfohlen.
2. Kälteanwendung (Eisbehandlung)
- Besonders nach ärztlicher Anweisung kann in den ersten 48 bis 72 Stunden mehrmals täglich für 15 bis 20 Minuten Eis aufgelegt werden, um Schwellung und Schmerzen zu verringern.
- Es sollte nicht in direktem Kontakt mit der Haut, sondern in ein dünnes Handtuch oder Küchenpapier eingewickelt angewendet werden.
3. Medikamentöse Behandlung
- Von Fachärzten verschriebene Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können die Schmerzen und die Entzündung verringern.
4. Physiotherapie und Rehabilitation
Ein individuell zusammengestelltes Programm aus Physiotherapie und Rehabilitation ist im Heilungsprozess eines Schulterrisses eine der wirksamsten Methoden:
- Übungen zur Steigerung des Bewegungsumfangs,
- muskelkräftigende Programme,
- Übungen zur Haltungskorrektur (Postur),
- manuelle Therapietechniken,
- unterstützende Behandlungen wie Elektrostimulation und Ultraschalltherapie können angewendet werden.
Vor und nach der Behandlung wird der Erhalt des Wohlbefindens durch Anpassungen der alltäglichen Lebensgewohnheiten der Patienten unterstützt.
5. Injektionsbehandlungen
- Bei starken Schmerzen kann der Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation eine Kortikosteroid-Injektion in die Schulter vornehmen.
6. Chirurgischer Eingriff
- Wenn der Riss groß ist oder trotz konservativer Behandlungen keine Besserung eintritt, kann eine arthroskopische Operation erforderlich sein.
- Die Physiotherapie nach der Operation ist für die Wiederherstellung der Schulterfunktionen unerlässlich.
7. Ernährung und unterstützende Maßnahmen
- Eine proteinreiche Ernährung unterstützt die Heilung der Muskeln.
- Kollagen- und Vitamin-C-Präparate können die Reparatur des Bindegewebes fördern (sollten unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden).
8. Geduldig sein
- Muskel- und Sehnenverletzungen heilen mit der Zeit.
- Eine regelmäßige Teilnahme am Behandlungsprozess und Geduld erhöhen den Erfolg der Behandlung.
Physiotherapie nach einer Operation bei einem Muskelriss in der Schulter
Nach einer Operation bei einem Muskelriss in der Schulter sind individuell zusammengestellte Programme aus Physiotherapie und Rehabilitation für die vollständige Heilung und die Wiederherstellung der früheren Funktionen von entscheidender Bedeutung. Das vom Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation geplante Rehabilitationsprogramm unterscheidet sich von Patient zu Patient. In der ersten Phase liegt der Schwerpunkt auf der Verringerung des vorhandenen Ödems und der Entzündung sowie auf der Wiederherstellung der eingeschränkten Schulterbeweglichkeit.
Während der Behandlungsdauer wird der Rehabilitationsprozess je nach Allgemeinzustand des Patienten mit Übungen zum Bewegungsumfang des Gelenks, Übungen zur Kräftigung der Schultermuskeln und in der letzten Phase mit Übungen zur Rückkehr zum Sport oder zur normalen Aktivität abgeschlossen.
Ein richtiges und wirksames Programm aus Physiotherapie und Rehabilitation ist die größte Unterstützung dabei, dass die Betroffenen ihre frühere Gesundheit wiedererlangen und ihre Lebensqualität im Alltag steigt.