Taubheitsgefühl und Kribbeln bei Schlaganfallpatienten

23/07/2026by Engin Çakar

Bei Schlaganfallpatienten treten häufig Beschwerden wie Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Gefühlsverlust auf. Aufgrund der nach dem Schlaganfall entstandenen Lähmung kommt es neben dem Verlust der Bewegung auch zu sensorischen Störungen. Insbesondere können sensorische Probleme wie Gefühlsverlust, Taubheitsgefühl und Kribbeln oder Überempfindlichkeit in Arm und Bein hinzukommen.

Bei manchen Patienten verschwinden solche sensorischen Probleme von selbst, sobald die Heilung des Gehirns fortschreitet. Zur Behandlung der sensorischen Störungen sollten im Physiotherapie- und Rehabilitationsprogramm auch Techniken des Sensibilitätstrainings berücksichtigt werden.

Wodurch entsteht ein Taubheitsgefühl bei Schlaganfallpatienten?

Um das Taubheitsgefühl nach einem Schlaganfall zu verstehen, sehen wir uns zunächst an, wie sich ein Schlaganfall auf den Körper auswirkt: Ein Schlaganfall entsteht, wenn der Blutfluss im Gehirn durch einen Verschluss der Hirngefäße oder eine Hirnblutung behindert wird. Wenn die Gehirnzellen wegen der Minderdurchblutung nicht mit Sauerstoff versorgt werden, beginnen sie Schaden zu nehmen und ihre Funktionen zu verlieren. Der vom Schlaganfall betroffene Hirnbereich bestimmt, welche funktionellen Störungen beim Patienten auftreten.

Wenn der Hirnbereich, der die motorische Bewegung steuert, betroffen ist, entwickelt die Person eine Lähmung und die Bewegungen von Arm und Bein gehen verloren. Wenn der Bereich des Gehirns betroffen ist, der die Sinne reguliert, können bei der Person Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln auftreten.

In Bezug auf das Taubheitsgefühl nach einem Schlaganfall verdienen zwei Bereiche des Gehirns eine genauere Betrachtung: der Thalamus und der Okzipitallappen. Der Thalamus ist dafür verantwortlich, 98 % aller sensorischen Eingaben zu interpretieren. In ähnlicher Weise unterscheidet der Okzipitallappen diese Eingaben nach den 5 Sinnen. Wenn diese Bereiche des Gehirns betroffen sind, kommt es zu sensorischen Störungen. Doch auch wenn der Schlaganfall diese Bereiche nicht betrifft, können beim Patienten Beschwerden wie Taubheitsgefühl und Gefühlsverlust auftreten.

Wie lange dauert das Taubheitsgefühl nach einem Schlaganfall an?

Der Heilungsprozess kann bei jedem Schlaganfallpatienten unterschiedlich verlaufen. Die wichtigsten Faktoren, die den Heilungsprozess bei Schlaganfallpatienten bestimmen:

  • der Ort und der Schweregrad des Schlaganfalls,
  • das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten,
  • die durchgeführte Physiotherapie und Rehabilitation.

Bei manchen Schlaganfallpatienten können sich die Sensibilitätsstörungen innerhalb der ersten 1-2 Monate von selbst bessern. Liegt beim Patienten eine Sensibilitätsstörung vor, muss sich das Physiotherapie- und Rehabilitationsprogramm unbedingt auch auf diesen Bereich konzentrieren. Die schnellste Genesung nach einem Schlaganfall ist in den ersten 3 bis 6 Monaten zu beobachten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Patienten, die nach 6 Monaten immer noch eine Sensibilitätsstörung haben, sich nicht mehr erholen können. Bei Schlaganfall und Hirnschädigung sind ein umfassendes Rehabilitationsprogramm und häufige Wiederholung die Schlüsselelemente der Genesung. Auch wenn sich die neurologische Genesung nach dem ersten Jahr verlangsamt, können Schlaganfallpatienten ihr Leben lang funktionelle Fortschritte erzielen.

Wie wird ein Taubheitsgefühl bei Schlaganfallpatienten behandelt?

Bei Schlaganfallpatienten mit Gefühlsverlust können auf das Sensibilitätstraining ausgerichtete Rehabilitationsmethoden die Heilung fördern. Die bei einem Taubheitsgefühl nach einem Schlaganfall häufig eingesetzten Rehabilitationsmethoden sind:

Sensibilitätstraining

Das Taubheitsgefühl, das bei Schlaganfallpatienten in Armen und Beinen entsteht, unterscheidet sich von anderen Arten von Taubheitsgefühlen. Denn das Taubheitsgefühl geht nicht von den Geweben in diesem Bereich aus, sondern vom Gehirn. Das Sensibilitätstraining ist einer der wirksamen Wege, das Gehirn neu zu trainieren und sensorische Störungen zu behandeln. Das Sensibilitätstraining beruht auf einem Prozess im Gehirn, der Neuroplastizität genannt wird: Dadurch kann sich das Gehirn neu organisieren, umstrukturieren und neue Funktionen erlernen.

Das Sensibilitätstraining sorgt mit verschiedenen Übungen und Techniken, die das Berühren einbeziehen, dafür, dass das Gehirn neu darauf trainiert wird, wie es die Sinne interpretiert. Ziel ist es zum Beispiel, dass Objekte mit unterschiedlichen Oberflächen (wie Schleifpapier, Baumwolle oder Seidenstoff) vom Gehirn wahrgenommen werden und eine Rückmeldung erfolgt.

Für ausführliche Informationen: „Was ist Sensibilitätstraining? Aktivitäten und Bedeutung des Sensibilitätstrainings“

Spiegeltherapie

Die Spiegeltherapie ist eine Behandlungsmethode, die darauf beruht, dass die Person die Gliedmaßen der gesunden Seite so beobachtet, als wären sie die gelähmte Seite, und die im Gehirn eine visuelle Illusion erzeugt. Zum Beispiel werden die Hände der Person auf einen Tisch und auf die beiden verschiedenen Seiten des Spiegels gelegt. Sie werden so ausgerichtet, dass die Person, wenn sie auf ihre gelähmte Hand blickt, im Spiegelbild die Hand der gesunden Seite sieht. Die gelähmte Hand kann mit einem Tuch abgedeckt werden, sodass sie nicht sichtbar ist. Dabei sorgen die sensorischen Reize, die beiden Händen gegeben werden, für das Sensibilitätstraining auf der gelähmten Seite.

Für ausführliche Informationen: „Was ist Spiegeltherapie und wie wird sie durchgeführt? Spiegeltherapie und Schlaganfallrehabilitation“

by Engin Çakar

Abteilungsleiter des Memorial Physiotherapie- und Rehabilitationszentrums Prof. Dr. Engin Çakar ist auf Schlaganfall und Hirnschäden, Neurorehabilitation und Algologie spezialisiert.

Prof. Dr. Engin Çakar

Prof. Dr. Engin ÇAKAR verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Behandlung von Schlaganfällen und Hirnverletzungen.

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