Transverse Myelitis (Rückenmarksentzündung) und Physiotherapie

23/07/2026by Engin Çakar

Die transverse Myelitis ist eine Erkrankung, die das Rückenmark betrifft. Durch die Entzündung der Myelinscheide, einer schützenden Hülle, die die Nervenfasern im Rückenmark umgibt, verursacht sie verschiedene neurologische Störungen. Die transverse Myelitis ist im Volksmund auch als Rückenmarksentzündung bekannt. Die Schwere der durch die Erkrankung auftretenden Symptome hängt davon ab, welche Nerven wie stark geschädigt sind.

Bei wem tritt eine transverse Myelitis (Rückenmarksentzündung) auf?

Die transverse Myelitis entsteht in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren autoimmuner Erkrankungen oder entzündlicher Zustände. Außerdem kann sie auch infolge von viralen Bakterien oder Infektionen entstehen. Sie kann als Reaktion des Immunsystems auf Infektionen wie Windpocken oder Masern auftreten.

Was sind die Symptome einer transversen Myelitis?

Die Symptome einer Rückenmarksentzündung beginnen in der Regel plötzlich und schreiten rasch fort. Die häufig auftretenden Symptome sind:

  • Muskelschwäche oder Lähmung in den Beinen
  • Schwäche oder Lähmung in den Armen
  • Sensibilitätsstörungen
  • Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln in Armen und Beinen
  • Probleme beim Wasserlassen und Stuhlgang
  • Unwillkürliche Muskelkontraktionen (Spastik)
  • Müdigkeit und depressive Verstimmung

Bei der transversen Myelitis gibt es zwar keine endgültige Heilung, doch mit medikamentösen Behandlungen kann das Fortschreiten der Beschwerden aufgehalten werden. Daneben ist es notwendig, in einer möglichst frühen Phase mit einem umfassenden Physiotherapie- und Rehabilitationsprogramm zu beginnen. Bei der Vorbeugung und Behandlung von Funktionsverlusten wie Muskelschwäche und Gangstörungen, die beim Patienten auftreten können, sind Physiotherapie und Rehabilitation sehr wichtig.

Transverse Myelitis und Physiotherapie

Bei einem Patienten, dessen Vitalzeichen unter Kontrolle gebracht wurden und dessen medizinischer Zustand stabil geworden ist, wird in einer möglichst frühen Phase mit den Physiotherapie- und Rehabilitationsmaßnahmen begonnen. Der Facharzt für Physiotherapie und Rehabilitation untersucht den Patienten umfassend und legt einen auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmten Behandlungsplan fest.

Zahlreiche Gesundheitsfachkräfte aus unterschiedlichen Fachbereichen wie Physiotherapeut, Ergotherapeut, Sprech- und Schlucktherapeut, Physiotherapietechniker, Atemtherapeut und Rehabilitationspflegekraft setzen sich als Team für die Rehabilitation des Patienten ein.

In der Physiotherapie wird zunächst angestrebt, dem Verlust der Muskelkraft vorzubeugen und die Beweglichkeit zu erhalten. Durch physiotherapeutische Maßnahmen und Übungen werden die Steigerung der Muskelkraft, das erneute Erlernen des korrekten Gehens, die Verbesserung des Hand- und Armgebrauchs und die Steigerung der Selbstständigkeit erreicht.

Zugleich können bei Schmerzen, die infolge der Erkrankung auftreten können, physiotherapeutische Mittel wie TENS und Wärme-/Kälteanwendungen eingesetzt werden.

Infolge der Beeinträchtigung des Rückenmarks kann bei den Patienten ein Gleichgewichtsverlust auftreten. Mit Gleichgewichts- und Koordinationsübungen kann diesem Verlust vorgebeugt werden.

Ergänzend zu den klassischen Physiotherapiemethoden werden robotergestützte Physiotherapieanwendungen genutzt, die dem Potenzial und dem Bedarf des Patienten entsprechen. Passend zum Niveau des Patienten können fortschrittliche Robotertechnologien wie ein Roboterbett, ein Gehroboter, ein Hand-Arm-Roboter, ein schwerkraftfreies Laufband und ein computergestütztes Gleichgewichtsgerät in die Behandlung einbezogen werden.

Bei Bedarf können Orthesen eingesetzt werden, die es den Patienten erleichtern, verlorene Funktionen wieder auszuführen, ihnen Halt geben und beim Gehen helfen. Insbesondere bei Patienten mit gestörtem Gangmuster oder verlorener Kontrolle über das Sprunggelenk können unterstützende, individuell angepasste AFOs empfohlen werden.

Bei Patienten, die Blasen- und Darmprobleme entwickeln und unter Harn- und Stuhlinkontinenz leiden, werden zur Vorbeugung und Bewältigung von Komplikationen Schulungen mit Übungen zur Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur angeboten.

Die transverse Myelitis beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Für die Steigerung der täglichen Lebensqualität und die Wiedererlangung verlorener Funktionen ist ein umfassendes Physiotherapie- und Rehabilitationsprogramm sehr wichtig. Die Patienten sollten ihr individuelles Physiotherapieprogramm regelmäßig einhalten und nicht vergessen, dass sie sich in einem Prozess befinden, der Geduld erfordert.

Sie können ansehen: Die Erfolgsgeschichte von Frau Menekşe, die infolge einer transversen Myelitis (Rückenmarksentzündung) eine Lähmung erlitten hat

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Abteilungsleiter des Memorial Physiotherapie- und Rehabilitationszentrums Prof. Dr. Engin Çakar ist auf Schlaganfall und Hirnschäden, Neurorehabilitation und Algologie spezialisiert.

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